Über das Projekt

Seit ihrer Erfindung vor 175 Jahren haben Künstlerinnen und Künstler immer wieder die Fotografie hinterfragt: Sie haben Arbeiten und Texte geschaffen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Fotografie auseinandersetzen: ihrer Materialität und Popularität, ihrer publizistischen Macht und ihrem Anspruch auf Objektivität.

Heute, mit dem zunehmenden Verschwinden des Analogen und dem Siegeszug des Digitalen, gewinnen diese Arbeiten eine ganz neue Aktualität. Das Projekt Fotomanifeste nimmt die historischen Beziehungen zwischen der Fotografie und dem Manifest in den Blick. Es zeigt was geschieht, wenn Fotografinnen und Fotografen sich schriftlich im Namen ihres Mediums engagieren – dabei stammen die radikalsten Äußerungen über die Fotografie oftmals von den Bildautoren selbst. Fotomanifeste vereint Stellungnahmen aus der gesamten Geschichte der Fotografie, von 1840 bis heute. So entsteht eine Sammlung aus vielen programmatischen Stimmen, die eine wilde und ironische, melancholische und manchmal wütende, aber stets hoffnungsfrohe Geschichte über das Medium erzählen.

Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts wurden von publizistischen Paukenschlägen begleitet: von wegweisenden Büchern, Zeitschriften und Radiobeiträgen, die dazu aufriefen, die Welt durch das Medium neu wahrzunehmen und sie zu verändern. In unterschiedlichen Publikationsformen offenbart sich die Sprengkraft der Avantgarde und die gestalterischen und typografischen Innovationen, die für die Revolution der Ästhetik so zentral waren. Aber die fotografischen Manifeste haben auch eine aufregende Vorgeschichte im 19. Jahrhundert, als Fotografen über die Bedeutung der Fotografie für die visuellen Künste stritten oder denjenigen trotzige Ratschläge erteilten, die die Eigenheiten der fotografischen Praxis ignorierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das fotografische Manifest eine subjektive Wende, bevor es im Zeichen von 1968 seine politische Stimme wiederfand, und vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Umbruchs eine neue Bedeutung für die Fotografie proklamiert wurde. Als Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart macht Manifeste! sichtbar, wie sich das Medium auf vielfältige Weise neu erfindet, indem immer wieder eine andere Zukunft ausgerufen wird.