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Visualismus, Andreas Müller-Pohle, 1980


Land Deutschland
Themenfelder Fotografie und Kunst, Fotografie und Film, Konzeptkunst, Medienanalyse
Techniken Silbergelatineabzüge, Found Footage, C-Print, Installationen, Film
Distributionsformen Original
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Andreas Müller-Pohle, deutscher Fotograf und Medienkünstler, prägte mit seinem Artikel, welcher 1980 in der dritten Ausgabe des Kunstmagazins European Photography erschien, den Begriff des Visualismus. In seinem Text thematisiert er den Visualismus als eine neue Konzeption des Sehens – Fotografie frei der Festlegungen von Ergebnis und Wirkung. Die Ordnung entsteht innerhalb der Kamera; die aufmerksame Wahrnehmung der Fotografen für ihre Umwelt bestimmt Sujet und Ausschnitt. Es geht darum, die visuelle Welt in ihren Ordnungszusammenhängen sichtbar zu machen und zu hinterfragen. Dafür werden beispielsweise extreme Kameraperspektiven verwendet oder einzelne Störelemente im Bild eingebaut, welche das ästhetisch dargestellte Vertraute und Wiedererkennbare plötzlich verfremden und Widersprüchlichkeiten suggerieren lassen.

1951 Geboren am 19. Juli in Braunschweig
1973–1979 Studium der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften in Hannover (1973–1974) und Göttingen (1974–1979)
seit Mitte 1970er Erste künstlerische Projekte, die sich mit fotografischer Wahrnehmung auseinandersetzen. Idee einer Wiederverwertung und Wiederaufbereitung von bereits vorhandenen Fotografien. Beschäftigt sich mit dem Medium Video. Beginn der intensiven und theoretischen Auseinandersetzung mit Fragen der Medialität und Wahrnehmbarkeit von Fotografien
seit 1978 Veröffentlichung von fotokritischen Beiträgen Lehrtätigkeiten in Europa und den USA
1980 Gründer und Herausgeber des unabhängigen Kunstmagazins European Photography, welches vierteljährlich erscheint und gegenwärtige Fotografie und neue Medien thematisiert
1985–1994 Berater und Jurymitglied des European Photography Award in Frankfurt und Bad Homburg
Mitte 1990er Forschungen bezüglich des Einsatzes digitaler, genetischer und politischer Codes. Daraus kann er den Begriff des Interface in den Kontext seiner Fotografien setzen, mit der Doppelfunktion der Vernetzung und Übersetzung
1996 Gründung der Edition Flusser. Als Herausgeber verlegt er zunächst die Hauptwerke des Medienphilosophen Vilém Flusser, später nimmt er auch auf andere Autoren Bezug. Ausgabe in zehn Bänden. Enthält ebenso den grundlegenden Text Für eine Philosophie der Fotografie, welcher in über zwanzig Sprachen übersetzt wird und einer der meistdiskutierten Texte der Fototheorie ist.
seit 1997 Gastdozent an den Higher Institute of Fine Arts in Antwerpen, Belgien
2001 Preisträger des European Photography Award der Reind M. De Vries Foundation
2005 Gründung von Eye-Mind, einem individuellen Workshop-Programm für zeitgenössische Fotografie und neue Medien Danube River Project (2005/2006); Umfassendes Foto-, Video- und Soundportrait der Donau. Die Werke werden mit einer Codezeile der analysierten Werte des Wassers ergänzt
2009 Hong Kong Waters (2009/2010) Foto-, Video- und Soundprojekt. Die Architektur- und Wasserlandschaft Hong Kongs werden zu einem komplexen Portrait verbunden, aufgenommen aus der Wasserperspektive.
seit 2014 Beschäftigung mit der Verkehrssituation in (vornehmlich asiatischen) Metropolen.
seit 1978 zahlreiche Ausstellungen u.a. in Berlin, Bratislava, Brüssel, Budapest, Chicago, Düsseldorf, Hong Kong, Houston, Kyoto, London, München, Paris, Philadelphia, Prag, Rio de Janeiro, São Paulo, Shanghai, Stockholm, Wien, Zürich. Andreas Müller-Pohle wohnt und arbeitet in Berlin.

Texte

  • Andreas Müller-Pohle: Was ist Fotografie? – Versuch einer Annäherung. Fotografie, Riesweiler, no. 5, 1978.
  • Andreas Müller-Pohle: Visualismus. In: European Photography, no. 3, Göttingen 1980.
  • Andreas Müller-Pohle: Information Strategies, in: European Photography, no. 21, Göttingen January/February/March 1985 (Portugese translation: Estratégias de informação, Boletim, Universidade de São Paulo, no. 3, May 2009. – Estonian translation: Infostrateegiad, in: Peeter Linnap (ed.): Silmakirjad 2. Tartu: Tartu Art College, 2009).
  • Andreas Müller-Pohle: Photo trouvé, in: European Photography, no. 26, Göttingen 1986.
  • Andreas Müller-Pohle: Inszenierende Fotografie, in: Andreas Müller-Pohle (Hg.): Inscenizacje. Wspólczesna fotografia w Republice Federalnej Niemiec. Warsaw: Stara Galeria ZPAF, 1988 (Original in German. English translation: Photography as Staging, in: European Photography, no. 34, Göttingen April/May/June 1988).
  • Andreas Müller-Pohle: Analogisieren, Digitalisieren, Projizieren, in: Hubertus von Amelunxen et al. (Hg.): Fotografie nach der Fotografie, Basel 1995 (English translation: Analog, Digital, Projective, in: Hubertus von Amelunxen et al. (eds.): Photography after Photography, Amsterdam 1996), online einzusehen unter: muellerpohle.net.
  • Andreas Müller-Pohle: Die fotografische Dimension, in: Kunstforum International, Cologne, no. 129, January–April 1995; (erstmals veröffentlicht in: European Photography 53, Jg. 14, Nr. 1, Frühjahr 1993, English translation: The Photographic Dimension, in: European Photography, no. 53, Göttingen Spring/Summer 1993), online einzusehen unter: european-photography.com.

Bildbände und Ausstellungskataloge

  • Andreas Müller-Pohle: Aus dem Zyklus "Konstellationen", Göttingen (Eigenpublikation) 1978.
  • Andreas Müller-Pohle: Transformance, hg. mit einem Essay von Vilém Flusser, Göttingen 1983 (European Photography).
  • Andreas Müller-Pohle: Was ich nicht sehe, fotografiere ich. Was ich nicht fotografiere, sehe ich. Arbeiten 1976–1991, hg. mit einer Einleitung von Ullrich Wallenburg und einem Essay von Vilém Flusser (Kat. Ausst. Brandenburgische Kunstsammlungen 1991), Cottbus 1991.
  • Andreas Müller-Pohle: Signa, hg. mit einem Essay von Carl Aigner (Kat. Ausst. Fotogalerie Wien 1992), Wien 1992.
  • Andreas Müller-Pohle: Perlasca Pictures, hg. mit einem Essay von Hubertus von Amelunxen (Kat. Ausst. Kunsverein Hildesheim 1995), Hildesheim 1995.
  • Andreas Müller-Pohle: Partitions digitales I (d'après Niépce), hg. mit einem Essay von Florian Rötzer (Kat. Ausst. Galerie Condé Paris), Göttingen 1997 (European Photography).
  • Andreas Müller-Pohle: Synopsis, hg. mit einem Essay von A.D. Coleman (Kat. Ausst. Goethe-Institut Atlanta/ Goethe-Institut Houston 1997), Göttingen 1997 (European Photography).
  • Andreas Müller-Pohle: Digitális Partitúrák III, hg. mit einer Einleitung von László Beke und Essays von Florian Rötzer und Andreas Müller-Pohle, Budapest 1998.
  • Andreas Müller-Pohle: Interfaces. Foto+Video 1977–1999, hg. von Hubertus von Amelunxen (Kat. Ausst. Altes Rathaus Göttingen 1999), Göttingen 1999 (European Photography).
  • Andreas Müller-Pohle: Yumiko, Portland 2003.
  • Andreas Müller-Pohle: codeZone. Digital Works 1995–2005, hg. mit einem Essay von Gu Zheng, Shanghai 2005.
  • Andreas Müller-Pohle: The Danube River Project, hg. mit einem Essay von Ivaylo Ditchev, Berlin 2008.
  • Andreas Müller-Pohle: Hong Kong Waters, hg. mit einer Einleitung von Oscar Ho. Heidelberg 2013.

Sekundärliteratur

  • Vilém Flusser: Prospektive, in: Andreas Müller-Pohle: Was ich nicht sehe, fotografiere ich. Was ich nicht fotografiere, sehe ich. Arbeiten 1976–1991, hg. mit einer Einleitung von Ullrich Wallenburg und einem Essay von Vilém Flusser (Kat. Ausst. Brandenburgische Kunstsammlungen 1991), Cottbus 1991.
  • Vilém Flusser: Andreas Müller-Pohle, in: Martin Marix Evans/Amanda Hopkinson (Hg.): Contemporary Photographers, Detroit 1995.
  • A.D. Coleman: Seems / to Be. On the Photography of Andreas Müller-Pohle, in: Andreas Müller-Pohle: Synopsis, with an essay by A.D. Coleman, Atlanta/Houston 1997.
  • Florian Rötzer: Zeremonien des Abschieds, in: Andreas Müller-Pohle: Partitions digitales I (d'après Niépce), with an essay by Florian Rötzer, Paris 1997.
  • Vilém Flusser: Visualismus/Dokumentarismus laut Müller-Pohle, in: Standpunkte. Texte zur Fotografie, Göttingen 1998 (European Photography).
  • Hubertus von Amelunxen: Interfaces oder Das Gesicht aus dem Blick, in: Andreas Müller-Pohle: Interfaces. Foto+Video 1977–1999, hg. v. Hubertus von Amelunxen, Göttingen 1999 (European Photography).
  • Boris von Brauchitsch: Am Anfang war das Nichts. Zu Fotografien und Videos von Andreas Müller-Pohle, Einführungsvortrag zur Ausstellung „Andreas Müller-Pohle. Foto/Video/Sound. Arbeiten 1995–2006“, Städtische Galerie Erlangen, 13.4.2007 online einzusehen unter: muellerpohle.net.
Transkriptionen:

Andreas Müller-Pohle

Constellations. Untitled (#2), 1977... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Transformance 3590, 1980... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Albufera II, 1985... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Cristo Redentor, 1988... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Vienna, Prater, Giant Wheel, 1992... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Photo Box, 2001, shredded photographs in acrylic box, 30x45x15 cm... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Spammers' Directory... Zum Abbildungsverzeichnis

Andreas Müller-Pohle

Vilshofen, Germany, 0994, 2005, aus der Serie The Danube River Project... Zum Abbildungsverzeichnis