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Produktion - Reproduktion, László Moholy-Nagy, 1922


Land Ungarn, Deutschland, USA
Themenfelder Avantgarde, Fotografie und Kunst
Techniken Fotomontage, Fotogramme, Kameralose Fotografie, Silbergelatineabzüge
Distributionsformen Original, Künstlerbuch
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László Moholy-Nagy (1895–1946) gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Moderne. Als Theoretiker und Praktiker arbeitet er in so unterschiedlichen Bereichen wie Malerei, Fotografie, Film, Werbung, Industriedesign, Bildhauerei und Bühnengestaltung, verzichtet dabei aber stets auf jegliche Form der ästhetischen Hierarchisierung. Moholy-Nagys Text Produktion-Reproduktion erscheint 1922 in der niederländischen Zeitschrift De Stijl, die als Sprachrohr und programmatisches Forum der gleichnamigen künstlerischen Bewegung fungiert und von 1917 bis 1931 existiert. Die Gruppe bekennt sich zu einer geometrisch-abstrakten Darstellungsform und einem auf Funktionalität ausgerichteten Purismus, der der ideen- und kunstgeschichtlichen Ausrichtung des Bauhauses nahe steht.  In seiner Schrift regt Moholy-Nagy an, Medien, die der „Reproduktion“ gedient haben – wie etwa das Grammophon, die Fotografie oder der Film – auch im Sinne einer kreativen „Produktion“ zu verwenden. Anstatt bereits existierende Relationen zu wiederholen (Reproduktion), zielt er auf eine Erweiterung dieser Medien zu produktiven Zwecken (Produktion), um zwischen den bekannten und den unbekannten optischen, akustischen und anderen funktionellen Erscheinungen neue Beziehungen herzustellen.

1895 Geboren in Borsod, damals Österreich-Ungarn, heute Bácsborsód in Ungarn.
1913–1918 Jura-Studium in Bukarest, das er nach Ausbruch des ersten Weltkriegs abbrechen muss. Er leistet seinen Militärdienst. Während dieser Zeit entsteht eine Vielzahl von Skizzen und Zeichnungen.
1918 Erste Veröffentlichung von Kurzgeschichten und Literaturkritiken in Budapest. Er pflegt einen engen Kontakt zum ungarischen Avantgardisten Iván Hevesy und belegt Kurse an der Robert Berény’s Kunstschule. Die ersten Bilder sind figurativ und expressionistisch.
1919 Erste Experimente mit dadaistischen Kompositionen. Womöglich der Beginn seiner fotografischen Tätigkeit. Umsiedlung nach Wien. Begegnung mit der avantgardistischen Künstlergruppe „MA“, die aus ungarischen Exilanten bestand.
1920 Umsiedlung nach Berlin. Künstlerischer Einfluss durch den russischen Konstruktivismus - Seine Kunst wird abstrakt. Erste skulpturale Arbeiten aus Holz, Glas und Metall.
1921 Heirat mit Lucia Moholy (geb. Schulz), die ebenfalls Künstlerin ist. Gemeinsam experimentieren sie mit unterschiedlichen fotografischen Techniken.
1922 Theoretische und experimentelle Auseinandersetzung mit dem Fotogramm. Die erste Einzelausstellung des Künstlers findet in der Galerie Sturm in Berlin statt. Im selben Jahr beteiligt er sich am Dadaisten-Kongress. Walter Gropius wird auf ihn aufmerksam.
1923–1928 Beginn seiner Lehrtätigkeit. Zunächst am Staatlichen Bauhaus in Weimar und später (1925) am Bauhaus in Dessau, wo er lange Zeit Assistent von Walter Gropius ist. Gemeinsam mit ihm gibt er die Bauhausbücher heraus. 1928Rückkehr nach Berlin. Trennung von Lucia Moholy. Eine intensive Schaffensphase beginnt.
1930 Auf der Pariser Werkbundausstellung ist der „Lichtraum-Modulator“ zu sehen, den er seit 1922 entwickelt. Sein bekanntester Film „Lichtspiel schwarz weiss grau“ entsteht.
1932 Heirat mit seiner zweiten Frau Sibyl Moholy-Nagy, mit der er zwei Töchter hat.
1934 Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Emigration nach Amsterdam. Die Farbfotografie findet Eingang in sein künstlerisches Werk.
1935 Zweijähriger Aufenthalt in London und Gründung eines Design-Ateliers mit György Kepes. Arbeit an dem Film „Things to Come“ und anderen Kurzfilmen.
1937 Amerikanisches Exil. Mitgründung und Leitung des „The New Bauhaus; American School of Design“ in Chicago.
1937–1938 Gründung der „School of Design“, die 1944 in „Institute of Design“ umbenannt wird.
1938–1946 Lehrtätigkeit als Professor. Intensive Schaffensphase als Künstler.
1946 Das Symposium „The New Vision in Photography“ findet am „Institute of Design“ statt. Am 24. November stirbt László Moholy-Nagy an Leukämie.
  • László Moholy-Nagy: Malerei, Fotografie, Film, München 1927 (3. Auflage des Faksimile Nachdrucks 2015).
  • László Moholy-Nagy: Sehen in Bewegung. Deutsche Erstausgabe von Vision in Motion, Edition Bauhaus 39, Leipzig 2014 (englisches Original 1947).

Ausstellungs- und Werkkataloge

  • László Moholy-Nagy: Retrospektive (Schirn-Kunsthalle 2009/2010), München u.a. 2009.
  • László Moholy-Nagy: The Photograms: Catalogue Raisonné, Ostfildern 2010.
  • László Moholy-Nagy: Kunst des Lichts (Kat. Ausst. Circulo de Bellas Artes Madrir 2010, Martin-Gropius-Bau Berlin 2010/2011, Gemeentemuseum Den Haag 2011), München 2010.

Sekundärliteratur (Auswahl)

  • Franz Roh: Moholy-Nagy und die neue Fotografie, in: Moholy-Nagy 60 Fotos. Fotothek, Berlin 1930.
  • Rabinovszky, Máriusz Rabinovszky: Der fotografierende Mensch. Zu den Aufnahmen von László Moholy-Nagy, Magyar Müvészet, Budapest, 1930, S. 641–646.
  • Ferenc Bodri: Die Fotokunst von László Moholy-Nagy,. Fotómüvészet, Budapest 1973 Nr. 2.
  • Gianni Rondolino: Laszlo Moholy-Nagy: Pittura, fotografia, film. Mit einem Vorwort von Giulio Carlo Argan. Torino, 1975.
  • László Beke: Verwirklichte Prophezeiungen: László Moholy-Nagy. Malerei, Fotografie, Film. Filmkultúra, Budapest 1978, Nr. 5.
  • Krisztina Passuth: László Moholy-Nagy. Dresden 1982.
Transkriptionen:

László Moholy-Nagy,

Bauhausbalkone, 1926, Silbergelatineabzug.... Zum Abbildungsverzeichnis

László Moholy-Nagy,

Negativ, 1927, Silbergelatineabzug (Negativ).... Zum Abbildungsverzeichnis

László Moholy-Nagy,

Photogram, ca. 1924, Silbergelatineabzug (Fotogramm).... Zum Abbildungsverzeichnis

László Moholy-Nagy,

The Benevolent Gentleman, 1924, Silbergelatineabzug (Fotomontage).... Zum Abbildungsverzeichnis