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Ueber eine neue Art von Strahlen, Conrad Röntgen, 1895


Land Deutschland
Themenfelder Fotografie und Naturwissenschaften
Techniken Röntgenfotografie, Kameralose Fotografie
Distributionsformen Zeitschrift
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Röntgenstrahlen sind elektromagnetische Wellen bzw. photonische Teilchen zwischen UV-Licht und Gamma-Strahlung. Angeregt durch Philipp Lenard (1862–1947) entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) diese ionisierenden Strahlen, die er selbst X-Strahlen (engl. X-rays) nannte, bei Experimenten mit Kathodenstrahlen am 8. November 1895. Er beschrieb seine diesbezüglichen Experimente in drei Aufsätzen, die zwischen 1895 und 1897 erschienen: (1) Ueber eine neue Art von Strahlen. (Vorläufige Mittheilung.), 1985 (2) Ueber eine neue Art von Strahlen. II. Mittheilung. (Fortsetzung.), 1896 und (3) Weitere Beobachtungen über die Eigenschaften der X-Strahlen, 1897.

1845 Geb. in Lennep, preußische Rheinprovinz, am 27. März.
1848–1869 Schulzeit in Apeldoorn und Utrecht, Holland, 1865 wird Röntgen ohne Abitur an der Universität in Zürich zugelassen. Er studiert Maschinenbaukunde am Eidgenössischen Polytechnikum und schließt 1868 mit Diplom ab. Es folgt ein Aufbaustudium in Physik. Röntgen wird Assistent des Physikprofessors August Kundt (1839–1894)
1870–1879 geht mit Kundt nach Würzburg, 1872 Heirat mit Anna Bertha Ludwig, im Oktober desselben Jahres erste Publikation Ueber die Bestimmung des Verhältnisses der spezifischen Wärmen der Luft, 1873/1874 Habilitation in Experimentalphysik an der Universität Straßburg, ab 1875 ist er Professor für Physik und Mathematik an der Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim und erhält 1876 eine außerordentliche Professur für theoretische Physik in Straßburg.
1879–1894 Berufung auf ordentliche Professur in Gießen, ab 1888 hat er in Würzburg eine ordentliche Professur für Physik inne und wird Direktor des Physikalischen Instituts. Bis 1895 ist er zudem Rektor der Universität Würzburg. Angeregt von Philipp Lenard beschäftigt er sich ab 1894 mit Kathodenstrahlen.
1895 Am 8. November 1895 Entdeckung der X Strahlen. In den sieben folgenden Wochen arbeitet Röntgen seine Entdeckung aus. Am 22. Dezember des Jahres gelingt ihm die erste radiologische Aufnahme, die eine beringte Hand seiner Frau Anna Bertha zeigt. Seinen Text Ueber eine neue Art von Strahlen. Vorläufige Mittheilung übergibt er am 28. Dezember an den Sekretär der Physikalisch Medicinischen Gesellschaft zu Würzburg, die als erste Mitteilung sofort für die Sitzungsberichte gedruckt und veröffentlicht wird.
1896–1901 Es folgen separate Drucke des Textes, die er an etwa 90 Kollegen in ganz Europa sendet. 12 der berühmtesten Physiker erhalten zusätzlich spektakuläre „X Strahlen“ Fotografien. Am 4. Januar 1896 Ausstellung von „X Strahlen“ Fotografien in einer Sitzung der Physikalischen Gesellschaft Berlin. Einen Tag später berichtet die Wiener Zeitung Die Presse über „Eine sensationelle Entdeckung“, es folgen internationale Berichte dies und jenseits des Atlantiks. In einer Sondersitzung der Würzburger Physikalisch Medizinischen Gesellschaft fertigt Röntgen am 23. Januar eine Handaufnahme des Anatomen Prof. Albert von Kölliker (1817–1905) an. Der Begriff der „Röntgen Strahlen“ kommt auf. Am 9. März 1896 publiziert er Eine neue Art von Strahlen. II. Mittheilung, ein Jahr später erscheint die Abhandlung Weitere Beobachtungen über die Eigenschaften der X Strahlen. Für seine Arbeit erhält Röntgen diverse Orden, Ehrungen, Auszeichnungen und Preise, darunter den ersten Nobelpreis für Physik (1901), die Rumford Medaille der Royal Society London, die Barnard Medaille der University of New York, den Prix Lacaze der Académie des Sciences, Paris, Ehrendoktorate, das Ehrenbürgerrecht seiner Geburtstadt Lennep.
bis 1923 ab 1900 ist Röntgen Professor in München, wo er am 1. April 1920 emeritiert wird. Im Jahr zuvor Ernennung zum Ehrenmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. 1923 stirbt Röntgen im Alter von 77 Jahren und wird in Gießen beigesetzt. In seinem Testament verfügt er, dass seine gesamten wissenschaftlichen Aufzeichnungen vernichtet werden. Der verbleibende wissenschaftliche Nachlass wird heute im Deutschen Röntgen Museum in Remscheid Lennep aufbewahrt.
  • Conrad Wilhelm Röntgen: Ueber eine neue Art von Strahlen. Vorläufige Mittheilung, Sonderabdruck aus den Sitzungsberichten der Würzburger Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft, 1895.
  • Conrad Wilhelm Röntgen: Eine neue Art von Strahlen. II. Mittheilung, Würzburg 1896.
  • Conrad Wilhelm Röntgen: Weitere Beobachtungen über die Eigenschaften der X-Strahlen, in: Sitzungsberichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Erster Halbband, Berlin 1897, S. 576-592.

  • Ernst Streller/Erika Hamburg (Hg.): Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923). Opera selecta, Remscheid-Lennep 1979, (Faksimiles von sieben Schriften Röntgens, inkl. der beiden Abhandlungen Ueber eine neue Art von Strahlen. Vorläufige Mittheilungen und Eine neue Art von Strahlen. II. Mittheilung, Hier auch ausführliche Hinweise über Röntgens weitere Schriften und ein umfassendes Verzeichnis seiner Arbeiten, S. 79–82.]

Rezension

  • Anonym: Eine sensationelle Entdeckung, in: Die Presse, 49. Jahrgang, No. 5, Wien, 5. Januar 1896, S. 1.

Briefe

  • Max Bense (Hg.): Briefe grosser Naturforscher und Mathematiker, Köln 1943, S. 228–241.
  • Lothar Kalok: Wilhelm Conrad Röntgen in Giessen 1879–1888. Ausstellung in der Universitätsbibliothek Giessen vom 28. Juni – 27. Juli 1979 aus Anlass der Berufung Röntgens nach Giessen vor 100 Jahren, Giessen 1979.
  • Wilhelm Conrad Röntgen: Briefe von Wilhelm Conrad Röntgen in der Universitätsbibliothek Würzburg (Begleitheft zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Würzburg im Röntgenjahr 1995), Würzburg 1995 .

Sekundärliteratur (Auswahl)

  • Chronik 100 Jahre Anwendungen der Röntgenstrahlen in der medizinischen Diagnostik, Onlinedokument, zusammengestellt vom Deutschen Röntgen Museum: roentgenmuseum.de
  • Walter Beier: Wilhelm Conrad Röntgen, Leipzig 1965 und 21995 (kurze Biografie).
  • Monika Domann: Durchsicht, Einsicht, Vorsicht. Eine Geschichte der Röntgenstrahlen 1896–1963, Zürich 2003 (Dissertationsschrift mit Fokus auf der deutschsprachigen Schweiz und bildwissenschaftlicher sowie wissenschaftshistorischer Ausrichtung).
  • Albrecht Fölsing: Wilhelm Conrad Röntgen. Aufbruch ins Innere der Materie, München/Wien 1995 (Detaillierte Biografie).
  • Otto Glasser: Wilhelm Conrad Röntgen und die Geschichte der Röntgenstrahlen, Berlin/Heidelberg [11931, 21959,] 31995, (Standard-Biografie mit Quellen und umfassender Bibliografie).
  • Friedrich H. W. Heuck/ Eckard Macherauch (Hg.): Forschung mit Röntgenstrahlen. Bilanz eines Jahrhunderts (1895–1995), Berlin/Heidelberg 1995 (Umfangreiche Kapitel zur Geschichte und zu Anwendungsgebieten von Röntgenstrahlen mit umfassenden Spezial-Bibliografien).
  • Angelika Schedel: Der Blick in den Menschen. Wilhelm Conrad Röntgen und seine Zeit, München/Wien/Baltimore 1995 (Biografie).
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